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Die Kampagne „11 Thesen – 11 Antworten“ ist abgeschlossen
Die Kampagne „11 Thesen – 11 Antworten Puzzle“ der Alzheimer Gesellschaft Braunschweig konnte im August dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen werden. Neun Politiker, der Seniorenrat und das Jugendparlament haben sich diesem wichtigen Thema öffentlich gestellt.
Basierend auf den 11 Thesen der Alzheimer Gesellschaft Braunschweig e.V. – Selbsthilfe Demenz waren sie angefragt, zu drei Fragekomplexen Stellung zu beziehen:
- Welchen persönlichen Bezug gibt es zum Thema Demenz und wie wird die Dringlichkeit der jeweiligen These eingeschätzt?
- Was wurde bisher unternommen, um die Situation von Menschen mit Demenz sowie ihrer An- und Zugehörigen zu verbessern?
- Was soll künftig unternommen werden, damit die noch nicht umgesetzten Inhalte der These in Braunschweig verwirklicht werden können?
Christoph Bettac, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Braunschweig, fasst erfreut zusammen: „Die Antworten zeigen bei allen Beteiligten ein grundsätzlich hohes Bewusstsein für die Herausforderungen der Demenzversorgung in unserer Stadt.“ Gleichzeitig wird deutlich: Zwischen der allgemeinen Zustimmung zu notwendigen Verbesserungen und konkreten, überprüfbaren Maßnahmen bestehen deutliche Unterschiede.
Die elf Thesen für eine bessere Demenzversorgung knüpfen an den einstimmigen Beschluss des Rates der Stadt Braunschweig vom 5. Juli 2022 an, einen Prozess zur Weiterentwicklung und zum Ausbau der örtlichen Versorgungsstrukturen für Menschen mit Demenz zu entwickeln.
Konkrete Vorschläge neben allgemeinen Absichtserklärungen
Ein sehr konkreter Vorschlag ist zur Verbesserung der Demenzdiagnostik eingegangen. Michael Walther (GRÜNE) unterstützt eine zentrale Anlauf- und Lotsenstruktur und kündigt an, die beteiligten Akteure an einen Tisch zu holen und konkrete Schritte sowie einen verbindlichen Zeitplan zu vereinbaren. Zugleich fordert er Transparenz darüber, was aus dem Ratsbeschluss von 2022 geworden ist und welche Maßnahmen bisher umgesetzt wurden.
Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels will sich Annegret Ihbe (SPD) für die Entwicklung alternativer Betreuungsformen einsetzen und wohnortnahe Hilfsangebote, wie zum Beispiel die Nachbarschaftszentren oder Nachbarschaftshilfen, weiter fördern. Ein Ausbau von ambulant betreuten Wohn- oder Pflegegemeinschaften, wie sie zum Beispiel der Verein ambet e.V. anbietet, und die Schaffung spezieller Angebotsformen für von Demenz Betroffene sind ihrer Auffassung nach wünschenswert.
Für die Umsetzung spezialisierter Kurzzeitpflegeplätze für Menschen mit Demenz und herausforderndem Verhalten spricht sich Heidemarie Mundlos (CDU) ausdrücklich aus und setzt sich für die Weiterentwicklung eines „Demenz-Notfall-Hauses“ ein. Sie schlägt vor, einen Masterplan zu entwickeln, der die notwendigen Schritte zur Schaffung entsprechender Angebote aufzeigt.
Auch bei der Kurzzeitpflege wird eine stärkere Steuerungsrolle der Stadt gefordert. Dr. Elke Flake (GRÜNE) schlägt einen Runden Tisch mit Trägern und Verbänden vor, um die Ursachen des Mangels an Kurzzeitpflegeplätzen zu klären und konkrete Handlungsoptionen zu entwickeln. Darüber hinaus fordert sie eine gezielte Altenhilfeplanung und eine stärkere strategische Steuerung durch die Stadt Braunschweig.
Einen besonders konkret überprüfbaren Vorschlag enthält die Antwort zur Versorgung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus. Claas Merfort (CDU) kündigt an, sich für einen verbindlichen „Demenz-Check“ der Braunschweiger Krankenhäuser einzusetzen. Dabei sollen unter anderem Schulungen des Personals, feste Ansprechpartner, die Einbindung von Angehörigen, demenzgerechte Abläufe und das Entlassmanagement überprüft und umgesetzt werden.
Thorsten Wendt (CDU) verweist auf Initiativen der CDU-Ratsfraktion und erkennt einen Ausbaubedarf bei ambulanten gerontopsychiatrischen Pflegediensten, Angeboten zur Unterstützung im Alltag und Nachbarschaftshilfen. Für die Zukunft kündigt er an, das Thema erneut auf die politische Tagesordnung zu setzen und Betroffene, Angehörige sowie soziale Einrichtungen einzubeziehen.
Christoph Bratmann (SPD) verweist bei der Förderung von Teilhabe und Mobilität durch technische Unterstützungssysteme auf das Leitbild der demenzfreundlichen Kommune, den Ratsbeschluss von 2022 und die Möglichkeiten der Digitalisierung. Künftig soll soziale Teilhabe stärker als Bestandteil der Verwaltungsdigitalisierung berücksichtigt und weiterentwickelt werden. Ihm ist es wichtig, dass das Thema Demenz in der politischen Wahrnehmung eine noch größere Rolle spielt. Das Thema muss aber insgesamt stärker in das Bewusstsein der Menschen rücken.
Eine ähnliche Position bringt Heike von Knobelsdorff als Vertreterin des Braunschweiger Seniorenrats ein. Als Schwerpunkte werden präventive Hausbesuche und die Forderung nach ausreichenden Tagespflegeplätzen genannt. Auszubauen sind niedrigschwellige Unterstützungsangebote in Form von Einzelbetreuung im Haushalt oder Gruppenangebote zum Beispiel bei den Nachbarschaftshilfen, um es Menschen mit Demenz zu ermöglichen, weiterhin zu Hause wohnen zu können.
Burim Mehmeti (SPD) sieht den Bereich Demenz und speziell die Fragen zur stärkeren Ausrichtung stationärer Pflegeeinrichtungen auf Demenz als Bestandteil des aktuellen SPD-Wahlprogramms, insbesondere durch die Fortschreibung der städtischen Altenhilfe- und Pflegeplanung. Diese beinhalte zentrale und präventive Steuerungselemente.
Das Jugendparlament der Stadt Braunschweig schätzt den Handlungsbedarf für alleinstehende Menschen mit Demenz sehr dringlich ein. Die Lebensqualität geht Hand in Hand mit der Wohnsituation und der selbstbestimmten Entscheidung. Mehrere Mitglieder haben demenzerkrankte Angehörige oder Zugehörige. Besonders für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist ein demenzerkrankter Angehöriger meist ein emotionales Thema. Vor diesem Hintergrund wird ein Austausch mit Seelsorge-Institutionen, Fachberatungs- und Jugendberatungsstellen angestrebt, auch mit dem Ziel, in Braunschweig eine spezifische sowie flächendeckende psychosoziale Versorgung zu sichern und zu verbessern.
Den Ausbau und die dauerhafte Absicherung von Beratung, Selbsthilfe und Entlastung im Bereich Demenz stellt Leonore Köhler (GRÜNE) in den Mittelpunkt ihrer Antwort. Dazu gehört neben dem Ausbau einer spezialisierten gerontopsychiatrischen Beratung ein „Kompetenzzentrum für pflegende Angehörige“ als zentrale Anlaufstelle, das durch den Bürokratie-Dschungel lotst und Entlastungsangebote koordiniert. Braunschweig soll eine Stadt werden, in der Menschen mit Demenz und ihre Familien Teil der Gemeinschaft bleiben und nicht an den Rand gedrängt sind.
Vom politischen Bekenntnis zur Umsetzung
Hans Golmann vom Vorstand der Alzheimer Gesellschaft Braunschweig fasst zusammen: „Die Auswertung macht deutlich, dass die Diskussion über die Verbesserung der Demenzversorgung in Braunschweig nicht bei der Frage stehen bleiben darf, ob Handlungsbedarf besteht. Entscheidend ist jetzt, welche konkreten Schritte aus den politischen Aussagen folgen.“
Claudia Kaiser, ebenfalls Vorstandsmitglied, betont: „Nun müssen mit klaren Zuständigkeiten und einem nachvollziehbaren Zeitrahmen die Maßnahmen auch auf den Weg gebracht werden!“
Der entscheidende nächste Schritt muss jedoch darin bestehen, aus politischen Absichtserklärungen konkrete und überprüfbare Maßnahmen zu entwickeln.
Die zentrale Botschaft lautet daher:
Aus Zustimmung muss Verbindlichkeit werden.
Über die Alzheimer Gesellschaft Braunschweig
Wir setzen uns gemeinsam für die Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz und ihrer Familien ein.
Ziel der Alzheimer Gesellschaft Braunschweig e.V. ist es, die vorhandenen Möglichkeiten zur Behandlung und Versorgung dementer Personen im Sinne der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu fördern und zu verbessern. Der Verein will dazu beitragen, neue Angebote zu schaffen, vorhandene Dienste zu unterstützen und Hilfen zu vermitteln.
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